Reformation 2017 in den Kirchenkreisen Aachen . Jülich . Gladbach-Neuss . Krefeld-Viersen

Gute Laune beim großen Kirchenfest im Park

An der Hauptbühne im Zelt fand der Eröffnungs-Gottesdienst statt.
An der Hauptbühne im Zelt fand der Eröffnungs-Gottesdienst statt.

Viele Aachener Besucher und Mitwirkende kamen bei strahlendem Wetter zum großen „Fest der Begegnung“ in Jülich – „Längst überfällig, dass wir das mal gemacht haben!“

„Wenn wir das Reformationsjubiläum richtig feiern wollen, dann müssen wir auch ein großes Fest veranstalten“, hatten die vier evangelischen Kirchenkreise Aachen, Jülich, Gladbach-Neuss und Krefeld-Viersen schon vor zwei Jahren beschlossen. Am Sonntag war es nun endlich soweit: Mehrere tausend Menschen kamen bei strahlendem Sonnenschein in den Brückenkopfpark in Jülich und feierten mit. Auf die Gäste wartete ein abwechslungsreiches und vielfältiges Programm an vielen Ständen und auf drei Bühnen, so dass Kinder, Eltern und Senioren einen unterhaltsamen Tag verbringen konnten. Der Eintritt in den Park und alle Mitmachangebote waren kostenfrei.

Die Superintendenten Burkhard Kamphausen, Jens Sannig und Hans-Peter Bruckhoff (v.l.) beim Auftritt der indonesischen Partnerkirchenkreise
Die Superintendenten Burkhard Kamphausen, Jens Sannig und Hans-Peter Bruckhoff (v.l.) beim Gesangs-Auftritt der indonesischen Partnerkirchenkreise

Für jeden etwas dabei

„Das Rezept ist aufgegangen“, freute sich Superintendent Jens Sannig vom gastgebenden Kirchenkreis Jülich. „Viele Menschen begegnen sich, und soweit ich sehe, haben alle gute Laune. Die Mischung im Programm stimmt und für jeden ist etwas dabei. Es war längst überfällig, dass wir das einmal gemacht haben!“ Auch Superintendent Hans-Peter Bruckhoff vom Kirchenkreis Aachen äußerte sich sehr zufrieden mit dem Verlauf des Tages und der guten Resonanz unter den Besuchern. „Ich finde es toll, dass wir als Christen nicht nur hinter geschlossenen Mauern in der Kirche sitzen, sondern hier mit unseren Anliegen einmal so öffentlich im Park präsent sind“, sagte er.

Im Bibelerzählzelt der Ev. Gemeinde zu Düren erzählte die Aachener Pfarrerin Anne Rank eine Geschichte von Abraham und den Lauten der Menschheit.
Im Bibelerzählzelt der Ev. Gemeinde zu Düren erzählte die Aachener Pfarrerin Anne Rank eine Geschichte von Abraham und den Lauten der Menschheit.

„Außerdem ist es toll zu sehen, dass wir das nicht verbissen machen, sondern mit Spaß, Zuversicht, Hoffnung und aus Liebe zum Leben.“ Er freue sich außerdem, so Bruckhoff, dass durch die gute Zusammenarbeit zwischen den vier Kirchenkreisen inzwischen ein Netzwerk entstanden sei, in dem es nicht nur einen regen Austausch und viele Bekanntschaften gebe, sondern dass sich beim Fest auch viele Akteure an den Ständen mischten, so dass es nicht mehr entscheidend sei, wer zu welchem Kirchenkreis gehöre.

Etwa 700 Menschen nahmen im Zelt und auf den Bänken davor am Gottesdienst teil
Etwa 700 Menschen nahmen im Zelt und auf den Bänken davor am Gottesdienst teil

"Nicht auf Luthers Verdiensten ausruhen!"

Begonnen hatte der Tag mit einem Gottesdienst, zu dem sich bereits etwa 700 Gläubige im großen Zelt an der Hauptbühne und auf den Bänken davor eingefunden hatte. Pfarrer Horst Grothe von der Evangelischen Kirchengemeinde Jülich sagte darin, die evangelische Kirche müsse auch 500 Jahre nach der Reformation offen für Veränderungen bleiben. „Wir können uns nicht auf Martin Luthers Verdiensten ausruhen, der einmal vor 500 Jahren wichtige Impulse gegeben hat“, sagte Pfarrer Grothe in seiner Predigt. „Wenn die Kirche lebendig bleiben will, muss sie in Kontakt bleiben mit ihrem Herzschlag, nämlich dem Wort Gottes und seiner Liebe.“

Präses Manfred Rekowski
Präses Manfred Rekowski

Präses Rekowski dankte den vier Kirchenkreisen für ihr Engagement

Nach dem Gottesdienst sprach der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Manfred Rekowski, ebenso ein Grußwort wie der NRW-Minister für Kinder, Familie, Flüchtlinge und Integration, Joachim Stamp, Landrat Wolfgang Spelthahn und der Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs. Präses Rekowski dankte den vier Veranstalter-Kirchenkreisen im Namen der Landeskirche und sagte: „Wie sie als ‚Kleeblatt‘ das Reformationsjubiläum feiern, und was Sie alles auf die Beine gestellt haben – auch mit der Reformationssynode am vorigen Wochenende schon – das hat mich sehr beeindruckt.“ Spelthahn, Fuchs und Stamp gingen in ihren Ansprachen alle auch auf die Situation der Flüchtlinge in Deutschland ein und forderten die Zuhörer eindringlich dazu auf, ihr Stimmrecht bei der Bundestagswahl zu nutzen.

Axel Büker erklärte das Bogenschießen mit den Farbpfeilen
Axel Büker erklärte das Bogenschießen mit den Farbpfeilen

Malen mit Pfeil und Bogen

Unter den vielen Ständen, Mitmach-Stationen und Kinder-Angeboten war der Kirchenkreis Aachen unter anderem mit mehreren Aktionen des Jugendreferates vertreten. Gekleidet in ein mittelalterlich anmutendes Gewand mit langem Umhang zeigte Jugendreferent Axel Büker vor einer großen Leinwand vielen Kindern, aber auch Erwachsenen, wie sie Pfeile mit Schaumstoffspitze so abschießen konnten, dass auf einer großen Leinwand das Logo des Kirchenkreis-Kleeblatts entstand. Ebenfalls für das Aachener Jugendreferat lud Jirka Bükow dazu ein, mit Schaumstoff- und Holzschwertern das gesellige und das historische Fechten auszuprobieren. „Luthers Wartburg“ und der Selfie-Luther waren selbstverständlich auch vertreten.

Auch Basteln und Malen kamen super an.
Auch Basteln und Malen waren beliebt.

Menschenkicker und Kistenrennen machten Kindern Spaß

Für Kinder und Jugendliche gab es auf dem Fest besonders viel Kreativ- und Bewegungsangebote. „Bei meinen größeren Kindern kam der Menschenkicker besonders gut an, aber auch das Kistenrennen“, sagte Pfarrer Jochen Gürtler, der mit seiner Familie nach Jülich gekommen war und auch eine Gemeindebusfahrt in den Brückenkopfpark organisiert hatte. „Die Kleineren fanden auch das Armbänder- und Schlüsselanhänger-Basteln und das Schminken toll. Das alles ist wirklich sehr schön gemacht.“

Sophie Forester, Caroline Keck und Pfarrerin Swantje Eibach-Danzeglocke betreuten mit anderen das Blumen-Labyrinth.
Sophie Forester, Caroline Keck und Pfarrerin Swantje Eibach-Danzeglocke betreuten mit anderen das Blumen-Labyrinth.

Pflanzenlabyrinth mit Glücks-Hindernissen

Besonders schön und ungewöhnlich, aber eher für Erwachsene, hatte die die Ev. Studierendengemeinde Aachen ein Pflanzenlabyrinth mit der Frage „Wo geht`s denn hier zum Glück?“ gestaltet. „Glück ist es für mich…. Sechs Stunden am Stück durchzuschlafen … dass ich an Gott glauben kann…. wenn einmal am Tag das Telefon klingelt“, stand dort zum Beispiel auf Schildern, die zum Nachdenken anregen sollten. Eigene Wünsche und Gedanken konnten ebenfalls hinterlassen werden, und Bildtafeln informierten darüber, welche häufigen Hindernisse zum Glück Studierenden begegneten. An einem Pavillon und den Hindernissen im Labyrinth standen unter anderem ESG-Pfarrerin Swantje Eibach-Danzeglocke und die Studierenden Sophie Forester und Caroline Keck zum Gespräch bereit.

Am Stand von "Engagiert älter werden" informierte Julia Debus über die Angebote.
Am Stand von "Engagiert älter werden" informierte Julia Debus über die Angebote.

Endlich lesen, was Oma damals geschrieben hat

Ganz in der Nähe informierte an einem der Hauptwege durch den Park die „Evangelische Initiative Engagiert älter werden“ über ihr Programm. Stellvertretend für die vielen Angebote der Initiative hatten Herman Willems, Irmgard Poesel und Johanna Ziadi dort einen Tisch für ihre Sütterlin-Gruppe aufgebaut. Die Gruppe trifft sich alle zwei Wochen und bietet auch Externen an, alte Briefe, Tagebücher, Kochrezepte oder Urkunden zu übersetzen. „Es macht mir einfach Freude zu lesen, was Menschen früher erlebt und aufgeschrieben haben“, erzählte Johanna Ziadi über ihr Hobby, und Gruppenleiter Willems ergänzt: „Die Leute freuen sich unheimlich, wenn sie zum Beispiel ein altes Tagebuch auf dem Dachboden gefunden haben und wir es ihnen übersetzen: ‚Endlich kann ich lesen, was die Oma damals geschrieben hat!‘“

Claudia Immendorf und Katrin Meinhard als mittelalterliche Reformatorin
Claudia Immendorf und Katrin Meinhard als mittelalterliche Reformatorin

Argula von Grumbach erzählt über ihr Leben im Mittelalter

Noch weiter zurück in die Vergangenheit ging es am Stand der Frauenhilfe. Claudia Immendorf, Aachener KSV-Mitglied und Kassiererin der Frauenhilfe im Kirchenkreis, informierte gemeinsam mit der mittelalterlichen Reformatorin Argula von Grumbach (alias Katrin Meinhard) über das Wirken von Frauen in der Kirche. „Wir zeigen aber nicht nur die Ausstellung über die Reformatorinnen seit dem Mittelalter, sondern sprechen auch über die heutige Arbeit der Frauenhilfe“, sagte Claudia Immendorf. So laufe derzeit eine Unterschriftenaktion, bei der der Weltgebetstag der Frauen für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen werden kann.

Konzert der internationalen Gäste aus den Partnerkirchenkreisen
Konzert der internationalen Gäste aus den Partnerkirchenkreisen

Letzter Auftritt der Gäste aus Indonesien und Tansania

Auf der Bühne an der Südbastion war am Mittag noch einmal die Gelegenheit, die Musikstücke der internationalen Gäste aus Indonesien und Tansania zu hören, die sich drei Wochen lang im Kirchenkreis Aachen aufgehalten hatten. Gemeinsam sangen die verschiedenen Partnerkirchenkreise aus Indonesien außerdem Volkslieder der Batak. Auf dem Platz neben der Bühne lud Pfarrerin Bärbel Büssow Besucher ein, ein Flüchtlingszelt des UNHCR einmal von innen anzuschauen. „In den Zeltstädten für Flüchtlinge zum Beispiel in Afrika oder in der Türkei wohnt oft eine Flüchtlingsfamilie von acht bis zehn Personen in einem solchen Zelt“, erläuterte die Pfarrerin. „Ich habe den Eindruck, die Leute, die sich dies heute hier angeschaut haben, sind recht nachdenklich geworden, nachdem sie dies einmal gesehen haben.“

Pfarrerin Friederike Lambrich war Haupt-Organisatorin des Festes.
Pfarrerin Friederike Lambrich war Haupt-Organisatorin des Festes.

Reformation live erlebt

Mit einem interreligiösen Friedensgebet und Gesang ging das Fest am Abend zu Ende. Nach Jesaja 55, passend zum Motto des Kleeblatts, hatte Axel Büker, eigens ein Lied zum Fest der Begegnung komponiert: „Regen fällt auf diese Welt“. Dass kein Regen auf das Fest der Begegnung und die nach Ende des Tages rund 6.000 Besucher gefallen war, freute vor allem die Haupt-Organisatorin Friederike Lambrich, die den ganzen Tag über gelber Warnweste unterwegs gewesen war und überall mit Hand angelegt hatte. „Wir wollten mit diesem Fest einen Raum bieten, Gesicht zeigen und Gelegenheit zur Begegnung bieten, sagte sie. „Ich bin froh, dass so viele Menschen daran teilgenommen und mit uns gefeiert haben. Was Reformation heute heißt, das haben wir hier erlebt!“

(Text und Bilder: Caren Braun)

Weitere Eindrücke vom Fest

Präses Rekowski und die Superintendenten nahmen am Eröffnungs-Gottesdienst teil.
Präses Rekowski und die Superintendenten nahmen am Eröffnungs-Gottesdienst teil.
Weil so viele Besucher gekommen waren, nahmen einige an den Bänken außerhalb des Zeltes am Gottesdienst teil.
Weil so viele Besucher gekommen waren, nahmen einige an den Bänken außerhalb des Zeltes am Gottesdienst teil.
Das Reformationsjubiläum war Thema des Gottesdienstes.
Das Reformationsjubiläum war Thema des Gottesdienstes.
Den Gottesdienst gestalteten Pfr. Horst Grothe und Pfr. Udo Lenzig.
Den Gottesdienst gestalteten Pfr. Horst Grothe und Pfr. Udo Lenzig.
Friederike Lambrich und Jens-Peter Bentzin eröffneten das Fest und zerschnitten dafür ein rotes Band.
Friederike Lambrich und Jens-Peter Bentzin eröffneten das Fest und zerschnitten dafür ein rotes Band.
Minister Joachim Stamp sprach ein Grußwort.
Minister Joachim Stamp sprach ein Grußwort.
Der Posaunen-Projektchor setzte sich aus Musikern aller vier Kirchenkreise zusammen.
Der Posaunen-Projektchor setzte sich aus Musikern aller vier Kirchenkreise zusammen.
Der Gospelchor "Gloryland Way" aus der Ev. Kirchengemeinde Roggendorf trat auf der Hauptbühne auf.
Der Gospelchor "Gloryland Way" aus der Ev. Kirchengemeinde Roggendorf trat auf der Hauptbühne auf.
In einer Fotobox konnten lustige Bilder gemacht werden.
In einer Fotobox konnten lustige Bilder gemacht werden.
Der Infostand des "Kleeblatts" auf dem Fest.
Der Infostand des "Kleeblatts" auf dem Fest.
Das Blumenlabyrinth der ESG Aachen.
Das Blumenlabyrinth der ESG Aachen.
Martin Grevenstein hatte Wartburg und Selfie-Luther mit nach Jülich gebracht.
Martin Grevenstein hatte Wartburg und Selfie-Luther mit nach Jülich gebracht.
Bei den Pfadfindern an der Jugendbühne gab es Stockbrot.
Bei den Pfadfindern an der Jugendbühne gab es Stockbrot.
"Success and Cricketz Crew" tanzten auf der Jugendbühne Breakdance.
"Success and Cricketz Crew" tanzten auf der Jugendbühne Breakdance.
Jirka Bükow bot für das Aachenener Jugendreferat eine Einführung ins Fechten an.
Jirka Bükow bot für das Aachenener Jugendreferat eine Einführung ins Fechten an.
Gehrt Hartjen stellte Besuchern für die Aachener "Dialog der Religionen" Fragen am interreligiösen Glücksrad.
Gehrt Hartjen stellte Besuchern für die Aachener "Dialog der Religionen" Fragen am interreligiösen Glücksrad.
Bärbel Büssow, Susanne Degenhardt und Joachim Büssow am Stand der Euregionalen Ökumenischen Flüchtlingsplattform.
Bärbel Büssow, Susanne Degenhardt und Joachim Büssow am Stand der Euregionalen Ökumenischen Flüchtlingsplattform.
Das mit Pfeilen gemalte Kleeblatt nimmt Gestalt an.
Das mit Pfeilen gemalte Kleeblatt nimmt Gestalt an.

Gottes Wort
kehrt nicht wieder leer
zu ihm zurück. Jesaja 55