Reformation 2017 in den Kirchenkreisen Aachen . Jülich . Gladbach-Neuss . Krefeld-Viersen

Andacht nicht nur für Führungskräfte zu Jes 55,11

Der Herr der schickt den Jockel aus. Er soll den Hafer schneiden. Der Jockel schneid den Hafer nicht. Und kommt auch nicht nach Haus. Da schickt der Herr den Pudel aus. Er soll den Jockel beißen. Der Pudel beißt den Jockel nicht. Der Jockel schneid den Hafer nicht. Und kommen auch nicht nach Haus. Da schickt der Herr den Prügel aus. Er soll den Pudel schlagen. Der Prügel schlägt den Pudel nicht. Der Pudel beißt den Jockel nicht. Der Jockel schneid den Hafer nicht. Und kommen auch nicht nach Haus.

Dieses Gedicht eines nicht mehr namentlich bekannten Autors, dokumentiert eine traurige Misserfolgsgeschichte, in deren Fortgang sogar die Elemente Feuer und Wasser, schließlich ein Ochse daran scheitern, den Jockel dazu zu bringen, den Hafer zu schneiden.[1]

Wir kennen Misserfolge in vielerlei Zusammenhängen: Vergebliche Planungen, missglückte Vorhaben, Sand im Getriebe - man möchte etwas erreichen, aber es funktioniert nicht. Unter anderem deshalb, weil Menschen nicht auf Knopfdruck funktionieren. Selbst gut überlegte Maßnahmen, einem Missstand abzuhelfen, fruchten nicht automatisch. Der Jockel schneid den Hafer nicht, der Pudel beißt den Jockel nicht, der Prügel schlägt den Pudel nicht und kommen auch nicht nach Haus.

Wir kennen aber - Gott sei Dank! - auch das Gegenteil: dass etwas gelingt, wenn Planungen sich als gültig bewähren und wir Erfolge feiern dürfen. (Weil das nicht selbstverständlich ist, sollten wir unsere Erfolge viel ausgiebiger feiern!) Wie geht das? Wie lautet das Rezept für das Gelingen? Im Gedicht geht es nach der Melodie: Do it yourself – selbst ist der Mann.

Da geht der Herr nun selbst hinaus. Der Prügel schlägt den Pudel nun. Der Pudel beißt den Jockel nun. Der Jockel schneid den Hafer nun. Und kommen auch mit nach Haus.

Do it yourself. Da geht der Herr nun selbst heraus – und wie von Zauberhand funktioniert alles wie am Schnürchen. Das Rezept heißt: Autorität, die wirkt. Auf wundersame Weise gelingt nun, was weder ein Pudel noch die Elemente schaffen.

In alten Zeiten war dies ein geheimes oder offenes Leitbild mancher Unternehmen: der Chef kommt - und alles steht stramm, alle funktionieren prächtig. Und wenn das mal nicht der Fall ist, dann macht es der Chef eben selbst. Er kann ja eh´ alles am besten – denkt er vielleicht.

Heute wissen wir, dass ein solches Leitbild die Kurkliniken füllt mit Menschen, die alles immer selbst machen. Denn auch der Ansatz ist falsch: ich tauche irgendwo auf und alles klappt wie am Schnürchen. Von einer solchen Autorität kann man vielleicht träumen, aber so funktioniert es nicht, weil Menschen nicht funktionieren wie Maschinen. Sie sind mit Eigensinn ausgestattet, durch den sie ja nicht nur zum Guten frei sind, haben eigene Gedanken und Vorstellungen. Der Pudel beißt den Jockel nicht, der Prügel schlägt den Pudel nicht…

Wie ist das eigentlich für Gott, den Herrn der Welt? Geht es ihm nicht auch so wie dem Herrn im Gedicht? Er hat ja auch Pläne für diese Welt, die er erst durch Mose, dann durch seine Propheten immer wieder hat ausrichten lassen. Alle können wissen, was Gott für diese Welt will: gerechtes Handeln, barmherziges Tun, liebevolles Miteinander, friedliches Zusammenleben. Und immer wieder ist es ihm im Laufe der Geschichte gegangen wie dem Herrn und seinem Jockel: der schneid den Hafer nicht, der Pudel beißt den Jockel nicht, der Prügel schlägt den Pudel nicht und kommen auch nicht nach Haus. Der Zustand seiner Welt müsste für Gott eine unerträgliche Kette von Misserfolgen darstellen. Welche Schlussfolgerung zieht er daraus?

Gott macht es anders als der Herr im Gedicht und tritt nicht selbst auf den Plan: er lässt den Menschen ihren Eigensinn. Gott wirkt auch angesichts einer Misserfolgskette weiter wie am Anfang der Schöpfung, und zwar durch das Wort. Kommunikation ist das Zauberwort. Durch das Wort ist alles geschaffen, durch das Wort erteilt Gott Weisung und Gebot, durch das Wort wachsen Glaube, Liebe und Hoffnung in den Menschen. Jesus Christus ist Gottes Wort in Person: in seiner Kommunikation schließen Liebe und Wahrheit einander nicht aus. Ihm ist es möglich, mit Menschen klar zu reden und sie dabei aufzubauen.

Aber das hat Grenzen. In Jesus Christus erlebt auch Gott die verstopften Ohren, die ihn nicht hören wollen, erlebt das Scheitern des Lebens – und überwindet es, am Ende überwindet er selbst den Tod, den größten aller menschlichen Misserfolge. Menschliches Scheitern ist nicht das Ende der Möglichkeiten Gottes: Gottes Wort lädt dazu ein, auf den guten Ausgang aller Dinge zu hoffen, selbst wenn Sand im Getriebe ist, selbst wenn Pläne scheitern und Projekte misslingen, selbst wenn Menschen gänzlich scheitern und das Leben nach den Maßstäben der Welt unvollkommenes Stückwerk bleibt. Am Ende sorgt der Herr der Welt dafür, dass alle nach Hause kommen: Jockel und Pudel, Prügel und Feuer, Wasser und Ochse.

Jes 55,8: Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR, sondern so viel der Himmel höher ist als die Erde, so sind auch meine Wege höher als eure Wege und meine Gedanken als eure Gedanken. Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und lässt wachsen, dass sie gibt Samen zu säen und Brot zu essen, so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

Wir können von Gott lernen und uns auf die Kraft des Wortes besinnen: Kommunikation ist das Zauberwort. Mit anderen reden, immer wieder und unermüdlich, um auf eine gemeinsame Ebene zu kommen, um Verstehen zu ermöglichen auch mit denen, die unzugänglich erscheinen. Und das in dem Wissen, dass es Grenzen des Verstehens gibt. Manchmal können oder wollen Menschen nicht hören und verstehen. Es gibt das Scheitern aller Bemühungen. Aber das sollte erst akzeptiert werden, wenn man vorher versucht hat, so zu reden, wie es dem Gottes Wort entspricht: kreativ, liebevoll und doch wahrhaftig, geduldig und doch entschieden, klar, aber nicht herabwürdigend. Denn oft bewährt sich die Hoffnung: wer mit den Menschen redet, sie liebevoll behandelt, sie aufrichtet und fördert, wer sich selbst nicht zum Maß aller Dinge und andere klein macht, der hat mehr Erfolge zu feiern als selbstverliebte Einzelkämpfer. Das gilt nicht nur für Führungskräfte, das gilt für das ganze Leben. Wichtig ist, dass man immer wieder die Ohren öffnet und auf Gottes Wort hört.

Gottes Wort kehrt nicht wieder leer zu ihm zurück, sondern wird tun, wozu er es sendet.

 

Pfarrer Dr. Harald Ulland, Synodalassessor im Kirchenkreis Gladbach-Neuss


[1] Da schickt der Herr das Feuer aus. Er soll den Prügel brennen. Das Feuer brennt den Prügel nicht. Der Prügel schlägt den Pudel nicht Der Pudel beißt den Jockel nicht. Der Jockel schneid den Hafer nicht. Und kommen auch nicht nach Haus

Da schickt der Herr das Wasser aus. Es soll das Feuer löschen. Das Wasser löscht das Feuer nicht. Das Feuer brennt den Prügel nicht. Der Prügel schlägt den Pudel nicht Der Pudel beißt den Jockel nicht. Der Jockel schneid den Hafer nicht. Und kommen auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Ochsen aus. Er soll das Wasser saufen. Der Ochse säuft das Wasser nicht.Das Wasser löscht das Feuer nicht.Das Feuer brennt den Prügel nicht. Der Prügel schlägt den Pudel nichtDer Pudel beißt den Jockel nicht. Der Jockel schneid den Hafer nicht. Und kommen auch nicht nach Haus.

Foto: Susanne Grabarz
Foto: Susanne Grabarz

Gottes Wort
kehrt nicht wieder leer
zu ihm zurück. Jesaja 55

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