Reformation 2017 in den Kirchenkreisen Aachen . Jülich . Gladbach-Neuss . Krefeld-Viersen

Gottes Wort wirkt und verändert! Eine Predigt zu Jesaja 55.

 

Liebe Schwestern und Brüder in Christus!

Menschen reden. Reden miteinander und noch viel lieber über einander. Menschen erleben, was Worte erreichen und bewirken können.
Wir können uns hinter Worten verstecken. Wir können hinter großen Worten unsere Unsicherheit und Angst verbergen. Und oft funktioniert das ganz gut.
Wir können uns mit Worten gegenseitig verletzen. Das wirkt manchmal Jahre, ja bisweilen ein ganzes Leben nach, was wir uns gegenseitig an den Kopf werfen. Die Zunge des Menschen ist seine schärfste und gefährlichste Waffe, hat einmal jemand gesagt. Und das bestätigt sich immer wieder in unserem Alltag.
Einmal Gesagtes setzt sich in unseren Köpfen und Herzen fest. Ein Vorurteil beispielsweise begleitet uns noch, wenn wir uns längst über jemanden ein eigenes Urteil gebildet haben. Wir haben größte Mühe, das zu überwinden, was uns über jemanden gesagt worden ist.Manchmal vergessen wir es, aber dann, bei passender oder unpassender Gelegenheit ist es wieder da: das alte Vorurteil, das früher Gesagte.  
Worte können trösten, ermutigen und aufrichten.  Auch das gehört zu unserer Alltagserfahrung.

Es tut gut, wenn wir einen lieben Menschen verloren haben, und da hat jemand ein freundliches Wort für uns übrig.
Es tut gut, wenn wir Sorgen haben mit unserer Familie, mit den Kindern, und da gibt jemand durch Worte zu erkennen, daß er uns sehr gut versteht, und daß er unsere Situation nachvollziehen kann und sie mit trägt.
Es tut gut, wenn wir im Leben eine Niederlage erlitten haben, und da sagt uns jemand: dein Leben geht weiter. Du erlebst jetzt eine schlimme Zeit, und ich verstehe, daß du völlig am Boden bist. Aber dein Leben geht weiter. Und anderes wird dir gelingen. Das macht Mut, und das gibt Kraft, wieder aufzustehen.

Worte können versöhnen und neue Anfänge schaffen. Das haben Menschen aus allen Völkern in vielfacher Weise seit den Tagen des 2. Weltkrieges erlebt. Menschen, die Feinde waren, die einander bekämpfen mußten, weil die Mächtigen es so wollten. Sie haben gelernt, miteinander zu reden, offen auszusprechen, was an Unrecht und Gewalt geschehen ist, und so neu miteinander zu beginnen. Worte können versöhnen und neue Anfänge schaffen.

Menschliche Worte haben Wirkung. Positiv und negativ. Aufbauend und zerstörend. Trennend und versöhnend. Krank machend und heilend. Aufklärend und vertuschend. Belehrend und verdummend. Ermutigend und hemmend. Immer aber so, daß sie etwas bewirken. Jede und jeder von uns weiß das. Und jede und jeder von uns erlebt das im Alltag. Und wenn wir schon von menschlichen Worten sagen, daß sie etwas bewirken, daß sie Veränderungen ermöglichen, was muss man dann erst dem Wort zutrauen, das aus dem Mund des lebendigen Gottes kommt? Was bedeuten dann erst die Worte des Vaters Jesu Christi für unseren Alltag? Und wie erreichen uns diese Worte?

10) Denn gleichwie der Regen und Schnee vom Himmel fällt und nicht wieder dahin zurückkehrt, sondern feuchtet die Erde und macht sie fruchtbar und läßt wachsen, daß sie gibt Samen, zu säen, und Brot, zu essen,

11) so soll das Wort, das aus meinem Munde geht, auch sein: Es wird nicht wieder leer zu mir zurückkommen, sondern

wird tun, was mir gefällt, und ihm wird gelingen, wozu ich es sende.

12) Denn ihr sollt in Freuden ausziehen und in Frieden geleitet werden. (Jes 55, 10-12a)

Mir fällt auf, daß Jesaja ein Bild gebraucht, das etwas mit Fruchtbarkeit und Wachstum zu tun hat, also mit den Voraussetzungen für menschliches Leben.
Regen und Schnee machen das Land fruchtbar. Schaffen die Bedingungen für Wachstum und Ernte. Und ermöglichen Ernährung und Leben von Menschen.
Gottes Wort hat etwas mit Wachstum und Leben zu tun, mit Gedeihen und Gelingen, mit Wärme und Zuwendung, mit Stärkung und Hilfe.
Wenn Gott zu uns redet, dann bedeutet das:  Leben wird möglich, Hoffnung bleibt lebendig, Vergebung geschieht, Neuanfänge sind an der Tagesordnung.
Unser Leben kann gelingen, weil Gott sich uns zuwendet in seinem Wort.

Denn genau das ist es, was Gott gefällt, und wozu er sein Wort sendet: er will Leben schaffen und ermöglichen, aufbauen und erhalten. Gott will uns Leben, Zukunft, Hoffnung und Vertrauen schenken. Und all diese Dinge macht er möglich gegen das, was uns an schlimmer Wirklichkeit umgibt.

Gottes Lebenswort kommt zu uns gegen die Todeswirklichkeit dieser Welt und unseres Lebens.
Gottes Zukunftswort kommt zu uns gegen die Zerstörungswirklichkeit dieser Welt und unseres Lebens. Gottes Hoffnungswort kommt zu uns gegen die Aussichtslosigkeit dieser Welt und unseres Lebens.
Und Gottes Vertrauenswort kommt zu uns gegen die Angst in dieser Welt und in unserem Leben.
Und Gottes Leben schaffendes Wort läßt die Welt nicht so, wie sie ist, und es läßt uns nicht so, wie wir sind. Mehr noch als menschliche Worte uns berühren und verändern, berührt und verändert uns das Wort des lebendigen Gottes. 

Für das Volk Israel damals im babylonischen Exil hatte die Hoffnung auf Veränderung ein konkretes Gesicht: die Rückkehr in die Heimat. Jesaja sagt ihnen: Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Gemeint ist das Geleit auf dem Weg nach Hause. Und dass der Auszug aus der Gefangenschaft mit großer Freude verbunden ist, das versteht wohl jede und jeder.
Ihr sollt in Freuden ausziehen und im Frieden geleitet werden. Das ist Gottes Botschaft an uns. Das ist der Inhalt seines Wortes. Das gibt er uns mit auf den Weg durch den Alltag.

Ihr sollt in Freuden ausziehen aus der Gefangenschaft eurer Trauer und Trostlosigkeit. Ich werde euch die Kraft dazu geben, und ich werde euch Menschen an die Seite stellen, die euch meine Botschaft in Wort und Tat verkündigen.
Ihr sollt in Freuden ausziehen aus der Gefangenschaft der Rachegefühle und des Nachtragens, der Vergeltung und des Aufrechnens. Ich werde euch die Kraft geben, miteinander zu reden und gemeinsam Versöhnung und Neuanfang zu wagen, im Kleinen wie im Großen, im Privatleben wie im Miteinander der Völker.
Ihr sollt in Freuden ausziehen aus der Gefangenschaft eurer Angst und Hoffnungslosigkeit. Ich werde eure Herzen stark und fest machen, damit ihr beginnen könnt, eure Angst anzunehmen und zu bekämpfen. Und damit ihr Kraft bekommt, Hoffnung zu entwickeln und leben. 
Ihr sollt in Freuden ausziehen aus der Gefangenschaft eurer Illusionen und falschen Vorstellungen. Ich werde euch die Augen öffnen für die Wirklichkeit, werde euch kritisch machen gegenüber allem, was man euch einzureden versucht. Und gegenüber dem, was ihr euch selbst einzureden versucht. Und ich werde euch die Kraft geben, der Realität ins Auge zu blicken und trotzdem vorwärts zu gehen.
Gottes Wort kommt ganz konkret in den kleinen Situationen unseres Alltags und in den großen Situationen der Politik zur Geltung und zur Wirkung. Diese Erfahrung teilen wir Freundinnen und Freunde Jesu Christi mit dem Volk Israel.

Gott lädt uns ein, darauf zu vertrauen. Er hält uns seine Hand hin, damit wir sie ergreifen. Er spricht uns an, damit wir ihn hören. Warum sollte man eine solch freundliche Einladung ausschlagen? Amen.

Johannes de Kleine vdm

Foto: Anna de Kleine
Foto: Anna de Kleine

Gottes Wort
kehrt nicht wieder leer
zu ihm zurück. Jesaja 55

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